Das deutsche Leben des Nadreddin Hodscha (in Vorbereitung)

In Vorbereitung befindet sich das Buch: Das deutsche Leben des Nasreddin Hodscha

Leseprobe

Nasreddin auf dem Hühnerhof

Klaus Landahl

Hans-Günthers Schwager hatte im hinteren Teil seines Grundstücks einen alten Bauwagen stehen, in dem seine Hühner nachts auf der Stange saßen.

Nasreddin, Hans-Günther und dessen Schwager standen vor dem Maschendrahtzaun des Tagesauslaufs und beobachteten das Federvieh.

„Deine Hühner haben es gut“, sagte Nasreddin anerkennend, und der Schwager begann sogleich mit Stolz vom Leben und Nutzen seiner Tiere zu schwärmen und fügte hinzu:

„Ich genieße es, sie jeden Tag zu füttern und ihnen zuzusehen.“

Nasreddin sagte zum Schwager: „Du bietest deinen Hühnern ein sorgenfreies Leben, aber du kannst ihnen jederzeit und ungefragt den Hals umdrehen.“

Es entstand eine peinliche Stille. „Das ist nun mal so“, brummte der Schwager, und ging ihnen voran, zurück zum Haus.

Auf der Rückfahrt kritisierte Hans-Günther säuerlich, Nasreddins letzte Bemerkung sei taktlos gewesen.

„Ja“, stimmte Nasreddin zu, „sie war überflüssig. Hühner kennen weder Vergangenheit noch Zukunft. Sie leben im Jetzt und es beunruhigt sie nicht, dass dein Schwager ihnen den Hals umdrehen könnte.“

Nach einer Pause fügte er hinzu: „Für Hühner ist das vielleicht normal, für Menschen nicht.“

„Mein Schwager hält nur Hühner. Er hält keine Menschen.“

„Nein. Dein Schwager nicht – .“

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